Im Hunzatal

Karte des Hunzatals

Reise ins Hunzatal

von Katrin Klink

Zu meiner ersten Dose "Microhydrin" gab es eine DinA4-Seite mit Informationen, vielfach kopiert und wenig verständlich. Ich fing an, über Patrick Flanagan zu recherchieren. Vor allem wollte ich mehr über den Mann erfahren, der dieses Produkt entwickelt hatte. Das war 1998, in den Anfängen des Internet. Damals gab es 7 Einträge über Patrick Flanagan. In den folgenden Jahren war es wie eine Schatzsuche, und jede Information über diesen außergewöhnlichen Wissenschaftler und das Hunzatal trug zu meiner Begeisterung bei.

Fast alle Berichte über das Hunzatal beginnen damit, dass die Schönheit und der Frieden dieses Tals beschrieben wird. Ganz oben im Norden Pakistans gelegen, grenzt das Hunzatal an Afghanistan und China. Umgeben von einigen der höchsten Berge der Welt war das Hunzatal viele Jahrhunderte lang nur ca. 3 Monate pro Jahr erreichbar. In der restlichen Zeit waren die Pässe so hoch mit Schnee bedeckt, dass man den abgeschiedenen Ort nicht erreichen konnte. Und auch in der restlichen Zeit war die Reise beschwerlich und gefährlich.

Flanagans Hunzawasserforschung

2005 machte ich mich auf die Reise ins Hunzatal. Nachdem ich so viel über diesen legendären Ort gelesen und mittlerweile auch selbst viel darüber geschrieben hatte, wollte ich auf den Spuren Henri Coandas und Patrick Flanagans dort hinreisen. Ich wollte mich persönlich davon überzeugen, wie viel Wahres an der Legende war, dass die Menschen dort 120, 130 Jahre alt geworden waren. Und ich wollte Patrick eine neue Probe des Hunzawassers mitbringen, auch wenn er dessen Geheimnisse inzwischen schon entschlüsselt hatte.

 

karte_Hunzatal1

Auch heute ist die Reise noch abenteuerlich und nicht ungefährlich. Von Islamabad aus fuhren wir mit einem kleinen Reisebus den Karakorum Highway, in den der Hunzariver mündet. In den Berichten hatte es geheißen, dass sich das Hunzatal seit dem Bau des Karakorum Highway stark verändert hätte. Mit dieser Zugangsstraße hatte auch die Zivilisation Einzug ins Hunzatal gehalten. Und damit auch das, was wir als "Zivilisationskrankheiten" bezeichnen. Die Lebenserwartung der Menschen im Hunzatal, das einst "Tal der Hundertjährigen" genannt wurde, war deutlich zurückgegangen. Und während Reisende früher beschrieben, wie in diesem Tal keine Krankheiten zu existieren schienen, sind sie heute auch allgegenwärtig.

Der Karakorum Highway war in meiner Vorstellung also negativ besetzt und eine mehrspurige Autobahn - die Wirklichkeit entsprach eher einer unbefestigten Landstraße, die einen größeren Teil der Strecke dem Lauf des Indus entlang führte. Von Peschawar aus fuhren wir so Richtung Gilgit, dem Ort, von dem die Reisenden früher ins Hunzatal aufbrachen. Die schneebedeckten Berggipfel das Himalaya rückten immer näher. Am Fuß des Nanga Parbat verließen wir den Karakorum Highway und stiegen in Jeeps um. Ziel war die "Märchenwiese", 2 bis 3 Stunden vom Basislager der Erstbesteigung des Nanga Parbat entfernt. Diese Strecke gab eine eindrückliche Vorstellung davon, wie gefährlich die Reise ins Hunzatal früher gewesen war. Die schmale Straße, unbefestigt und aus locker auf einander geschichteten Steinen bestehend, führte an einem Abgrund entlang, der mehrere hundert Meter in die Tiefe reichte. Die Kurven waren teilweise so eng, dass die Jeeps mehrfach vor- und zurückstoßen mussten; auf der Rückfahrt stellte sich heraus, dass bei unserem Jeep der Rückwärtsgang kaputt war und wir an den Kurven aus dem Wagen springen mussten, um ihn zu schieben. Was mir erheblich lieber war, weil die Hinterräder der Jeeps beim Rangieren direkt an den Abgrund reichten.

Die Märchenwiese hätte uns mit Frühlingssonne und blühenden Edelweiß begrüßen sollen. In diesem Jahr war der Frühling jedoch so spät, dass und hüfttiefer Schnee erwartete, als wir die Jeeps auf der Hälfte der Strecke verließen, um den Rest der Strecke zu Fuß zu bewältigen. Anstatt malerische Serpentinen bis auf ca. 3200 Meter Höhe hinaufzusteigen, kletterten wir den Hang quasi senkrecht hoch. Wir waren bereits zu spät im Zeitplan und mussten die Hütten auf der Märchenwiese vor Sonnenuntergang erreichen. Da wir die Strecke vom Karakorum Highway viel zu schnell hinter uns gebracht hatten, erwischte mich ein ganzes Stück vor der Märchenwiese die Höhenkrankheit. Selbst 10 Schritte zu gehen, wurde fast zur Unmöglichkeit. Und für die letztem 200 Meter auf der - ebenen - Märchenwiese bis hin zu den Hütten, in denen uns Tee und heißes Essen erwartete, benötigte ich etwa eine halbe Stunde. Unvorstellbar, so etwas allein und ohne Übernachtungsmöglichkeit zu bewältigen. Der absolut gigantische Blick auf den Sonnenaufgang am Nanga Parbat ließ uns dann die Anstrengungen des Vortags wieder vergessen. Trotzdem waren wir äußert froh, als wir den Abstieg und die Rückfahrt unbeschadet überstanden hatten und wieder am Karakorum Highway angekommen waren.

Auf der restlichen Strecke zum Hunzatal erwarteten uns zwar Erdrutsche, Steinschläge, Wassermassen und teilweise unpassierbare Straßen, aber mit Umwegen gelangten wir schließlich zum "Junction Point". Hier treffen die drei höchsten Gebirge der Welt zusammen: Himalaya, Hindukusch und Karakorum-Gebirge. Hier verließen wir das Himalaya-Gebiet und den Indus, der vom heiligen Berg Kailasch im Hindukusch zum Junction-Point geflossen kam. Wir bogen ab Richtung Karakorum, und der Fluß, an dem wir nun entlangfuhren, war der Hunzariver.

Hunzatal Patrick Flanagan 2

Ich hatte mir das Hunzatal klein und den Hunzariver als plätschernden Bach vorgestellt, da alle Beschreibungen immer sehr idyllisch geklungen hatten. In Wirklichkeit ist das Hunzatal ein riesiges und sehr langgestrecktes Tal, das in oberes, mittleres und unteres Hunzatal aufgeteilt wird. Der Hunzariver war jetzt, vor der Schneeschmelze, tatsächlich ein eher kleiner Strom. Den Flussbett konnte man aber entnehmen, dass er bei hohem Wasserstand eine mehrfache Breite des Rheins haben dürfte.

An diesem Abend schafften wir es nur bis Gilgit. Dies war ein wichtiges Zentrum der Seidenstraße, auf der keineswegs nur Gewürze, sondern auch Sklaven transportiert wurden. Auch das angeblich so friedliche Hunzatal hat eine wilde Vergangenheit hinter sich. Nicht nur führte die Seidenstraße mit ihren Sklavenkarawanen durch das Tal. Auch die Hunza beteiligten sich zu früheren Zeiten am Sklavenhandel.

MegaHydrate Hunzawasser

Am nächsten Tag brachen wir endlich ins Hunzatal auf. Aber auch hier war die Straße unpassierbar, und wir mussten nach Gilgit zurück und einen größeren Umweg machen, u. a. durch einen trockenen Flußlauf, bis wir an einer anderen Stelle wieder auf die Straße kamen, die uns ins Hunzatal führen würde. Und dann tauchten die ersten Aprikosenbäume auf. In allen Reisebeschreibungen wurde beschrieben, wie getrocknete Aprikosen die Grundlage der Ernährung der Hunza bzw. Hunzakut war. Als wir schließlich den Hauptort im mittleren Hunzatal erreichten, erwartete uns ein grünes Tal, in dem terassenförmige Nutzflächen zum Anbau von Getreide angelegt waren. Und Tausende von blühenden Aprikosenbäumen, deren Duft das gesamte Tal erfüllte.

In unserer Unterkunft angekommen, putzte ich mir die Zähne - mit Hunzawasser. Da erst realisierte ich wirklich, dass ich nach so vielen Jahren, die ich von diesem Ort geträumt hatte, wirklich im Hunzatal angekommen war.

Wir erkundeten das Tal, teilweise auf Wegen, die früher Teil der Seidenstraße waren. Und wie in den Reiseberichten beschrieben, waren die Hunza unglaublich freundlich, begrüßten uns mit Blumen und luden uns zum Tee in ihre Häuser ein. Der Kontrast zu der bisher von uns zurückgelegten Wegstrecke hätte nicht größer sein können. Uns war dringend nahe gelegt worden, uns möglichst in Landeskleidung zu reisen, und nur im Hunzatal trug ich keinen Schleier und wagte mich allein auf die Straße. Denn hier waren auch die Frauen unverschleiert, die Schulmädchen sprachen ausgezeichnetes Englisch und Frauen wurden sichtbar respektiert. Die Tage im Hunzatal gehören zu den schönsten und friedlichsten Reiseerfahrungen, die ich je gemacht hatte.

hunzatal_flanagan4

Aber ich war hier, um mehr über das Hunzawasser und das "Tal der Hundertjährigen" zu erfahren. Ich sah im ganzen Hunzatal tatsächlich, bis auf ein Kind mit einer Augenerkrankung, keinen einzigen Menschen mit sichtbaren Anzeichen für Krankheit oder Gebrechen, auch hier ein völlig anderes Bild als in den anderen Teilen Pakistans, die wir bisher bereits hatten. Ich fragte Zafar, unseren Reiseführer, ob die Menschen im Hunzatal wirklich früher 120, 130 Jahre alt geworden waren. Er antwortete, bis vor ca. 40 Jahren sei das tatsächlich so gewesen. Ich fragte ihn, wie alt die Hunza heute würden, und er sagte: "etwa 80 Jahre alt". Die Lebenserwartung im Hunzatal war also innerhalb von 40 Jahren um ca. 40 Jahre gesunken! Meine Frage, woran die Menschen stürben, verstand Zafar nicht. Also erklärte ich, dass die Haupttodesursachen bei uns Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und andere seien. Er sagte: "Bei uns werden die Menschen alt, und dann sterben sie". Jahrelange Krankheiten, verbunden mit körperlicher Gebrechlichkeit, wie sie bei uns oft selbstverständlich erscheinen, gab es auch damals im Hunzatal noch nicht wirklich.
Aber ich wollte wissen, worauf die Hunza diesen signifikanten Rückgang der Lebenserwartung zurückführten, und Zafar antwortete ohne nachdenken zu müssen: "Stress".

Dies war eine in vielfacher Hinsicht interessante Antwort. Patrick Flanagan hatte zwei Faktoren entdeckt, die das legendäre Hunzawasser, das offensichtlich wie ein "Jungbrunnnen" wirkte, von gewöhnlichem Wasser unterschied: Es enthielt winzig kleine Mineralkolloide, die dem Wasser eine einzigartige Struktur verliehen, und aktiven, negativ geladenen Wasserstoff, der nicht nur ein "mengenbestimmender Faktor" für die ATP- bzw. Energieproduktion in unseren Zellen ist, sondern auch ein Antioxidans, das um ein Vielfaches stärker ist als Vitamin oder OPC. Antioxidantien oder Radikalenfänger neutralisieren Freie Radikale und damit körpereigenen Stress und deren Folgen. Die Veränderung der Lebensumstände im Hunzatal hatten sich auf eine Weise verändert, dass das Hunzawasser allein dem Stress nicht mehr ausreichend entgegenwirken konnten. Aber waren es nur die Lebensumstände?

Patricks Forschungen hatten gezeigt, wie die Mineralkolloide im Hunzawasser entstehen: Das Hunzatal liegt inmitten von Siebentausendern, die früher von riesigen Gletschern umgeben waren. Diese tonnenschweren Gletscher zermahlten durch ihr Gewicht die darunter liegenden Gesteinsschichten zu feinem Staub. Dieser wird mit dem Schmelzwasser von den Bergen ins Tal gespült, Hunderte kleiner Wasserläufe sprudeln im Hunzatal so von den Bergen herunter und fließen im Tal zum Hunzariver zusammen. Dabei entstehen durch Verwirbelungen, Sonneneinstrahlung und in Verbindung mit besonderen (fetthaltigen) Gesteinsschichten die winzigen Mineralkolloide, die wie winzige Magnete das Wasser strukturieren, energetisieren - und auch den aktiven, d. h. negativ geladenen Wasserstoff an sich binden.

Das Hunzatal heute

Aber wie überall auf der Welt sind auch die Gletscher im Hunzatal weitgehend geschmolzen. Über den mittleren Hunzatal thront das "Gilgit Fort", das früher der Sitz des Mir, des "Königs des Hunzatals" war. Heute ist das Fort ein Museum, das mit Hilfe der UNESCO erbaut wurde, um das Erbe des Hunzatals zu erhalten. Das Fort liegt mit dem Rücken an einem Berghang und wurde ursprünglich so gebaut, dass die Vorratskammer an den Gletscher reichte. Heute muss man viele Kilometer weit ins obere Hunzatal fahren, um noch kleinere Ausläufer der früheren Riesengletscher zu finden. Dort konnten wir uns auf ein paar verfallenen Hängebrücken über den Hunzariver einen weiteren Eindruck verschaffen, wie beschwerlich und gefährlich die Reisen früher gewesen waren. Der Hunzariver fließt nach wie vor darunter durch, aber durch den Rückgang der Gletscher bilden sich im Hunzatal auch kaum noch Kolloide und das, was das Hunzawasser früher so einzigartig gemacht hat, ist mit dem Schmelzen der Gletscher auch verloren gegangen.

Nach den verheerenden Überschwemmungen vor einigen Jahren in Pakistan, auch im Hunzatal, existieren viele der Orte, die ich im Hunzatal besucht habe, nicht mehr. Es hat sich ein riesiger künstlicher See gebildet, wo früher Häuser standen und Land bewirtschaftet wurde. Bei meinem Besuch hatten wir Zeltlager mit afghanischen Flüchtlingen besucht; heute sind zunehmend auch Pakistani auf der Flucht. Eines meiner Wunschziele, den legendären Khyber-Pass, konnten wir damals schon aus Sicherheitsgründen nicht bereisen. Die USA hatte während meines Besuchs in Pakistan wieder begonnen, mit Drohnen das Swat-Tal zu bombardieren. Die Legende des einst friedlichen Hunzatals hat immer weniger mit der Wirklichkeit zu tun. Und die Tage des Hunzatals als abgeschiedener Ort wie im Märchen sind endgültig gezählt. China plant eine Eisenbahnstrecke durch das gesamte Hunzatal, um den Güterverkehr von China bis nach Karachi zu ermöglichen.